Phobien, Panik und Wege hinaus
Körperliche Ursachen ärztlich abklären
Von Redaktion Angst verstehen ca. 3 Min.

Angst, Panik und Besorgnis sind zunächst normale menschliche Reaktionen auf Bedrohungen. Doch wenn körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder Magen-Darm-Beschwerden regelmäßig auftreten, stellt sich schnell die Frage: Ist das psychisch bedingt oder steckt etwas Körperliches dahinter? Die Antwort lautet häufig: Es kann beides sein. Eine ärztliche Abklärung ist daher der erste und wichtigste Schritt, wenn Sie unter Angstsymptomen leiden. Nur so lassen sich organische Ursachen ausschließen oder korrekt behandeln.
Warum die ärztliche Untersuchung unverzichtbar ist
Viele körperliche Erkrankungen können sich durch Symptome äußern, die denen von Angststörungen ähneln. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann Herzrasen, Schwitzen und innere Unruhe verursachen. Ein niedriger Blutdruck kann zu Schwindel und Schwächegefühl führen. Herzrhythmusstörungen können Herzstolpern, Herzrasen oder ein Beklemmungsgefühl in der Brust verursachen. Schlafapnoe kann zu nächtlicher Panik führen. Auch Vitamin-B12-Mangel, Eisenmangel oder Blutzuckerschwankungen können Angst und Nervosität auslösen oder verstärken.
Ein Hausarzt oder eine Hausärztin kann durch gezielte Fragen, körperliche Untersuchung und ggf. Laboruntersuchungen oder EKG herausfinden, ob solche Faktoren bei Ihnen eine Rolle spielen. Dies ist kein unnötiger Umweg, sondern eine notwendige Grundlage für die richtige Diagnose und Behandlung. Wenn körperliche Erkrankungen ausgeschlossen oder behandelt werden, können psychische Faktoren gezielter angegangen werden. Bei plötzlichen starken Brustschmerzen, Atemnot oder Lähmungserscheinungen gilt: nicht abwarten, sondern sofort den Notruf 112 wählen.
Welche Untersuchungen können sinnvoll sein?
Je nach Ihren Symptomen und Ihrer Krankengeschichte kann der Arzt oder die Ärztin verschiedene Untersuchungen vorschlagen. Blutuntersuchungen können zeigen, ob etwa Schilddrüsenwerte, Blutzucker, Eisen- oder Vitaminwerte im Normbereich liegen; das Blutbild selbst gibt unter anderem Hinweise auf eine Blutarmut. Ein EKG prüft die Herzfunktion. Eine Blutdruckmessung über 24 Stunden kann Blutdruckschwankungen aufdecken. Bei Schlafproblemen oder nächtlichen Panikattacken kann eine Schlafuntersuchung aufschlussreich sein. Auch eine Lungenfunktionsprüfung oder eine Ultraschalluntersuchung können je nach Symptomatik indiziert sein.
Wichtig ist, dass Sie Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein vollständiges Bild Ihrer Beschwerden vermitteln. Beschreiben Sie nicht nur die körperlichen Symptome, sondern auch, wann diese auftreten, wie lange sie andauern und welche Situationen sie auslösen. Ein Angsttagebuch sinnvoll führen kann dabei helfen, Muster zu erkennen und diese beim Termin zu berichten.
Übersicht
Untersuchungen, die der Beitrag nennt
Welche Untersuchung sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.
| Untersuchung | Was sie prüft | Wann sie in Frage kommen kann |
|---|---|---|
| Gespräch und körperliche Untersuchung | Art, Dauer und Auslöser der Beschwerden, Vorerkrankungen | immer als erster Schritt |
| Blutuntersuchung | u. a. Schilddrüsenhormone, Vitamine, Eisen, Blutzucker | je nach Beschwerden und Vorgeschichte |
| EKG | Herzrhythmus und Herzfunktion | etwa bei Herzrasen oder Druck in der Brust |
| 24-Stunden-Blutdruckmessung | Blutdruckschwankungen über den Tag | etwa bei Schwindel |
| Schlafuntersuchung | z. B. Atemaussetzer im Schlaf | bei Schlafproblemen oder nächtlicher Panik |
Die Verbindung zwischen Körper und Psyche
Selbst wenn organische Ursachen ausgeschlossen wurden, bedeutet das nicht, dass Ihre Angst "nicht real" ist. Angststörungen und Panikattacken haben messbare körperliche Auswirkungen. Das Nervensystem reagiert mit echten physiologischen Veränderungen. Herzfrequenz, Atemfrequenz und Hormonausschüttung ändern sich wirklich. Diese körperlichen Reaktionen können wiederum die Angst verstärken, ein Teufelskreis entsteht.
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, wann professionelle Hilfe wichtig wird zu wissen. Nach ärztlicher Abklärung können psychologische oder psychiatrische Fachleute mit spezialisierter Unterstützung helfen. Therapieoptionen bei Angst besprechen mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin kann dann gezielt erfolgen. Techniken wie Atemübungen als kurzfristige Stabilisierung oder strukturierte Exposition im Rahmen einer Therapie können zur Besserung der Symptome beitragen.
Auch wenn Sie bereits wissen, dass psychische Faktoren eine Rolle spielen, sollten Sie sich regelmäßig untersuchen lassen. Körperliche Grunderkrankungen können sich entwickeln oder verändern. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre Angst ist wichtig, denn viele Ärzte sind heute sensibilisiert für die Zusammenhänge zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit.
Die ärztliche Abklärung ist somit nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme, sondern ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zu mehr Sicherheit und Wohlbefinden. Sie bildet die Grundlage für eine zielgerichtete weitere Unterstützung, sei sie medizinisch, psychologisch oder durch Selbsthilfemaßnahmen.
Dieser Artikel fasst Wissen allgemein verständlich zusammen und kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen.